Einführung in Federation

Was ist Federation?

Eine Federation (Föderation) ist ein besonderer Vertrauensrahmen oder ein besonderes Vertrauensnetz für die Nutzer von IT- und TK-Systemen, das eine gesicherte Struktur für die Kommunikation zwischen Organisationen schafft, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit (Kollaboration, engl. Collaboration) ihrer Mitglieder zu verbessern.

Im Rahmen dieser Struktur legt jede Organisation, beispielsweise ein Unternehmen, für sich einerseits die Qualität der Information fest, die es preisgeben möchte, und entscheidet andererseits, welche Dienste und Systeme für den Austausch dieser Informationen genutzt werden dürfen.

Diese Begriffsdefinition orientiert sich an technischer Literatur, insbesondere an ECMA (European association for standardizing information and communication systems – früher European Computer Manufacturers’ Association)-Dokumenten, in denen von federation, federated solutions und federated services die Rede ist. Eine deutsche Schreibweise hat sich noch nicht etabliert, weshalb in diesem Dokument generell der englische Begriff verwendet wird. Typische Kommunikationsdienste, die heute im Rahmen einer Federation genutzt werden können, sind Präsenz-Management und Instant Messaging (Chat). Darüber hinaus sind in Zukunft auch andere Dienste denkbar. So könnten in Zukunft auch Audio- und Videodienste im Rahmen einer Federation bereitgestellt werden.

Das Präsenz-Management innerhalb einer Federation ermöglicht es, Präsenz-Informationen zwischen Organisationen auch über die Organisationsgrenze hinweg auszutauschen. Die Technologie liefert Informationen zur Erreichbarkeit einer Person, so dass, abhängig von deren Status, ein geeignetes Kommunikationsmittel gewählt werden kann. Der Anwender erfährt also etwas über den aktuellen Status einer Person bzw. stellt solche Informationen anderen zur Verfügung.

Ist jemand online und gerade erreichbar, kann man ad hoc Kontakt über das Telefon aufnehmen, eine Kurznachricht senden und sofort eine Antwort erwarten (Instant Messaging, Chat). Diese Funktionen zählen zur Gruppe der synchronen Medien. Ist der gewünschte Partner momentan nicht erreichbar, so wählt man in der Regel die E-Mail als (asynchronen) Kommunikationsweg. Präsenz-Management fördert somit die Agilität der Nutzer. Darüber hinaus bieten solche Systeme in der Regel erweiterte Funktionalitäten: Oft besteht zum Beispiel auch die Möglichkeit, sich über die Präsenzstatus-Änderung einer bestimmten Person informieren zu lassen (Tagging). Eine äußerst hilfreiche Funktion, wenn man sehnsüchtig auf die Rückkehr einer Person an den Arbeitsplatz wartet, weil man eine dringende Information benötigt.

Um das langfristige Potenzial des Einsatzes von Federation-basierter Kommunikation zu verdeutlichen, macht es Sinn sich noch etwas genauer mit den Diensten Präsenz-Management und Instant Messaging zu beschäftigen.

Was ist Präsenz-Management?

In der Welt klassischer Computer Telefonie Integrations (CTI)-Konzepte, den Vorläufern vieler Unified Communications (UC, vereinheitlichte Kommunikation)-Lösungen, standen nicht die Benutzer, sondern ihre Telefonleitungen und die dort stattfindenden Ereignisse im Mittelpunkt („leitungszentrierte Architektur“). Hier hieß es „Leitung 177 – Franz Müller – besetzt“. In der Welt moderner SIP-basierter Unified Communications-Anwendungen wird eine neue „personenzentrierte Architektur“ möglich: „Natürlich“ steht hier die Person als kommunizierendes Wesen an erster Stelle! Konsequenterweise heißt es daher nun: „Franz Müller – beschäftigt – im Gespräch“ oder „Franz Müller – beschäftigt – im Termin bis 12:00“. Wenn man dabei noch berücksichtigt, dass auch neue Dienste und Medien in das Kommunikationsnetz integriert sein können, ergeben sich aus diesem Kontext zahlreiche neue Fragen: Ist die Person, mit der ich kommunizieren möchte, erreichbar? Über welches Medium kann ich Kontakt aufnehmen? Die entscheidenden Antworten hierzu liefert ein Präsenz-Management System.

Mit jeder Person (Benutzer, Identität) verknüpft ein System einen definierten Zustand, die sogenannte Präsenz-Information. Diese wird in Echtzeit nach definierten Regeln aus den Stati mehrerer Dienste gebildet. Beispiele dafür sind Telefoniestatus (Telefonie-Dienst), Kalenderstatus (Kalender-Dienst) und ein An-Abgemeldet-Status (System-Dienst). Die Präsenz-Information gibt daher dynamisch über die Erreichbarkeit eines Kommunikationspartners Auskunft, je nach aktuellem Zustand der verschiedenen Dienste.

Was ist Instant Messaging?

Am heutigen typischen Büroarbeitsplatz dominieren zwei Medien: das Telefon zur Kommunikation in Echtzeit, ein synchrones Medium, und die E-Mail für den überwiegenden Teil des Schriftverkehrs, ein asynchrones Medium für die weniger zeitkritische Kommunikation. Andere asynchrone Medien, wie z.B. das beliebte Fax, treten in den Hintergrund, weil Sie zunehmend im E-Mail-Format aufgehen.

Durch die laufende Optimierung der Netzwerke und die steigende Akzeptanz bei den Nutzern etabliert sich dazu eine weitere, relativ junge Konversationsmethode, bei der schriftlich kommuniziert wird: das Instant Messaging (IM, Chat). Bei dieser Methode kommunizieren zwei oder mehrere Nutzer mittels Textnachrichten.

Die Nachrichten werden dabei in Echtzeit mittels eines Push-Verfahrens ausgetauscht. Die Nutzer bedienen sich dazu einer speziellen Clientanwendung, z.B. estos ProCall oder Microsoft® Office Communicator. Die Clients wiederum sind über einen Server oder Dienst miteinander verbunden. Die Handhabung ist so unkompliziert wie die E-Mail, mit dem Vorteil, dass man spontan reagieren, und auch sofort eine Reaktion erwarten kann. Für kurze Rückfragen oft genau das Richtige.

Die beiden Dienste Präsenz-Management und Instant Messaging ergänzen das Telefon und die E-Mail hervorragend. Sie ermöglichen den Nutzern eine situationsgerechte Kontaktaufnahme und Ansprache.

Wer profitiert von der Federation?

Von einer Federation profitieren Menschen in Organisationen, die zusammenarbeiten oder in einer regelmäßigen Geschäftsbeziehung stehen. Dazu gehören Kollegen genauso wie Geschäftspartner, Lieferanten und Kunden. Ähnlich wie der standardisierte elektronische Datenaustausch (EDIFact) den Handel zwischen den beteiligten Partnern kanalisiert und strukturiert, ermöglicht eine Federation eine strukturierte Kommunikation zwischen den Organisationen. Die Basis dafür bilden technische Richtlinien und gemeinsam akzeptierte Rahmenbedingungen, die auf einer administrativen Ebene festgelegt werden können. Die Technologie lässt aber letztendlich dem Nutzer die Freiheit selbst zu entscheiden, ob und wie er die Möglichkeiten nutzen möchte.

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